Stiftung für Soziale Psychiatrie

 

Spurensuche – Ringen um Selbstverständlichkeit

 

Die Stiftung für Soziale Psychiatrie lädt ein zu Vortrag, Gespräch und Lesung.

Dabei sind: die Autoren des im Frühjahr 2016 erschienenen Buches „Psychosen – Ringen um Selbstverständlichkeit.“ Mit Andreas Heinz und Thomas Bock treffen einer der versiertesten deutschen Ordinarien und der „Vater“ des Trialogs (mit Dorothea Buck Initiator des Psychoseseminars) zusammen. Ergebnis ist ein vielseitiger Blick auf Psychosen, der neue Handlungsoptionen eröffnet.

Im Zentrum steht die Entwicklung eines Krankheits- bzw. eines Gesundheitskonzeptes für psychose-erfahrene Menschen. Ausgehend von einem philosophischen informierten Krankheitsbegriff werden Psychosen als die Krisen besonders sensibler Menschen veranschaulicht. Individuelle, familiäre, gesellschaftliche und kulturelle Aspekte der Erkrankung werden ebenso diskutiert wie der anthropologische Hintergrund von Vulnerabilität und Resilienz. Die Autoren analysieren Versorgungsstrukturen, entwerfen konkrete Behandlungskonzepte und Visionen für Strukturveränderungen in der Psychiatrie.
Moderiert von Jann Schlimme.

Nach einer Pause leiten wir über in ein Kontrastprogramm: Tobi Katze liest aus „Morgen ist leider auch noch ein Tag – Irgendwie hatte ich von meiner Depression mehr erwartet.“ Erfahrungsbericht oder Parodie?

„Ziemlich unkreative Diagnose“, sage ich nach der obligatorischen Schweigeminute und wische mir eine letzte Träne von der Wange. „Irgendwie hatte ich mir da was Ausgefalleneres erhofft. Ich meine, wenn ich schon was haben muss, dann doch nicht so eine Wald-und-Wiesen-Erkrankung.“ „Ja“, meint mein Therapeut, „es tut mir leid, dass Sie da nichts Besonderes sind. Das ist natürlich hochgradig tragisch.“

Die Veranstaltung findet statt am 5.Oktober 2016 um 19.30 Uhr, in der Landesvertretung Bremen, Hiroshimastraße 24, 10785 Berlin. Der Eintritt ist frei, für Getränke und kleine Snacks müssen wir allerdings 5 Euro verlangen. Über Spenden für die Arbeit der Stiftung für Soziale Psychiatrie freuen wir uns. Wegen der Raumplanung bitten wir um Anmeldungen per E-Mail: c.nieraese@vodafone.de oder 0621 / 414126 und dgsp@netcologne.de oder 0221 / 511002.

 

Stiftung für Soziale Psychiatrie
Christian Nieraese


Europäischer Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen


am 5. Mai 2012 im Saal der Volkshochschule im Bezirksrathaus Köln-Mülheim

Die Stiftung für Soziale Psychiatrie beteiligte sich am Europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen mit einer Veranstaltung im Saal der Volkshochschule der Stadt Köln im Bezirksrathaus Köln-Mülheim, Wiener Platz 2 a, 51065  Köln, im Rahmen der jährlich stattfindenden Inklusions-Kampagne.

Die Stiftung für Soziale Psychiatrie wurde im Mai 2007 von der Deutschen Gesellschaft für Soziale Psychiatrie e.V. (DGSP) gegründet. Stiftungszweck ist insbesondere die Förderung der sozialpsychiatrisch orientierten Behandlung, Betreuung und die Förderung der gesellschaftlichen Integration von Menschen mit psychischen Erkrankungen und Behinderungen.

Jede Barriere ist eine zuviel !
Dieses Motto stand als Leitsatz über der Aktion zum Europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen, die auch in diesem Jahr durch die Aktion Mensch bundesweit koordiniert wurde. Alle Organisationen und Selbsthilfegruppen der Behindertenhilfe waren aufgerufen, Aktionen rund um das Thema Barrierefreiheit individuell zu gestalten. Dabei sind Barrieren nicht nur als z.B. bauliche Hindernisse zu sehen, sondern auch als zu überwindende Denkmuster und Einstellungen in den Köpfen der Menschen. Das Motto für die Kampagne 2012 war sehr passend, denn alle, die sich im Bereich Psychiatrie oder psychische Behinderung bewegen, wissen um die Anstrengungen, derer es bedarf, damit Barrieren in den Köpfen abgebaut werden. Die Stiftung für Soziale Psychiatrie wollte einen Beitrag dazu leisten und unterstützte die Kampagne der Aktion Mensch mit einer Kultur – Veranstaltung am 5. Mai 2012 im Saal des Bezirksrathauses Köln-Mülheim, Wiener Platz 2 a in 51065  Köln. Hochkarätige Gäste sprachen zu einem überraschend spannenden Thema. Neben Musik und Wortbeiträgen wurden Häppchen und Maibowle geboten.

Wir wollten mit der Veranstaltung auf die Bedeutung von Inklusion hinweisen und gleichzeitig Raum zur Begegnung für Menschen mit und ohne Behinderung anbieten. Eingeladen waren kommunalpolitische Mandatsträger, Kolleginnen und Kollegen aus den unterschiedlichen Arbeitsbereichen und die interessierte Öffentlichkeit. Alle diese Gruppen sind in ihrer jeweiligen Rolle im gesellschaftlichen Leben mit der beschriebenen Problematik konfrontiert und können dadurch eine wichtige Funktion bei der Umsetzung der Ziele der UN – Konvention für die Rechte von Menschen mit Behinderungen (UN – BRK) haben.

Die Stiftung für Soziale Psychiatrie hatte ursprünglich geplant, die Veranstaltung im Rahmen des Europäischen Protesttages zur Gleichstellung  von Menschen mit Behinderungen am 5. Mai 2012 zu nutzen und gleichzeitig den „Förderpreis der Stiftung für Soziale Psychiatrie 2012“
in Dortmund zu verleihen. Aus den Bewerbungen um den Stiftungspreis sind zwei Projekte

 

ausgewählt worden, die beide zufällig in Dortmund angesiedelt waren. Die Vorbereitungen für die Veranstaltung am 5. Mai waren schon sehr weit gediehen, als bekannt wurde, dass an diesem Tag ein großes Fußballspiel Dortmund in einen Ausnahmezustand versetzen würde und die zunächst zugesagten Räume im Rathaus nun doch nicht zur Verfügung stehen würden. Wir mussten uns dann ganz kurzfristig  umorientieren und haben in einem unglaublichen Kraftakt eine Veranstaltung am 5. Mai in Köln organisiert und die Preisverleihung am 19. Mai in Dortmund im größeren Stil durchgeführt.

Es war uns aber wichtig als Stiftung, den 5. Mai als Protesttag nicht einfach ausfallen zu lassen, zumal das diesjährige Motto „Jede Barriere ist eine zuviel !“ auch ein treffender Leitsatz für unseren Stiftungspreis hätte sein können. Die eingereichten Bewerbungen für den  Stiftungspreis, der schließlich am 19. Mai im Dortmunder Rathaus übergeben wurde, machten deutlich, wie sich das diesjährige Motto in die Praxis umsetzen ließe. „Jede Barriere ist eine zuviel“ dachten sich wohl auch die Initiatoren des Kunstprojektes aus Dortmund und nutzten Kunstaktionen in einem psychiatrischen Wohnheim und im angrenzenden Sozialraum als verbindendes Element, um Barrieren zwischen Menschen aus unterschiedlichen Gruppierungen abzubauen. Insofern schloss sich die aktuelle Kampagne nahtlos an die letztjährige an, die mit dem Motto „Inklusion beginnt im Kopf“ ein echter Treffer war.

Von Inklusion ist oft auch die Rede im neuesten Buch von Klaus Dörner, „Helfensbedürftig  -  Heimfrei ins Dienstleistungsjahrhundert“, das von ihm selbst am 5. Mai 2012 im Rahmen des Protesttages in Köln vorgestellt wurde, der absolute Höhepunkt der Veranstaltung. Klaus Dörner dazu: „Inklusion bedeutet mehr als Integration: die Einbeziehung, Zugehörigkeit und selbstverständliche Teilhabe von alten oder behinderten Menschen am Leben in der Gesellschaft. Das Wort steht in der UN – Konvention von 2006, die 148 Staaten unterschrieben haben. Die Konvention entstand unter Mitwirkung von Betroffenen und schreibt die Forderung nach diesem Miteinander fest. Auf die UN – Konvention kann sich berufen, wer trotz seiner physischen oder psychischen Beeinträchtigung ein unabhängiges Leben führen will. „Daheim statt Heim“ heißt eine Initiative, die mehrere Bundestagsabgeordnete gegründet haben. Es sind immer noch zu wenig Gesundheitspolitiker, die sich diese Zielrichtung zu eigen machen“ (siehe auch FAZ, 30.06.2012).

Zum Thema „Gesellschaftliches Leben der Zukunft  -  Möglichkeiten und Grenzen des 3. Sozialraumes“ sprach im Anschluss Prof. Dr. Reinhold Knopp von der Fachhochschule Düsseldorf, der in vielen Passagen Prof. Dörner zustimmen konnte, aber auch sehr prononciert und durchaus kontrovers eigene Sichtweisen vertrat, was dennoch zu einem spannenden Dialog zwischen den beiden ausgewiesenen Kapazitäten führte.

Viele Gespräche ergaben sich im Anschluss an die Vorträge bei einem fulminanten Buffet und Maibowle mit schon bewährter musikalischer Begleitung, Jazz – Musik vom Feinsten mit Arvid Genius und Klaus Heuser.  Das Köln – Mülheimer Rathaus war ausgestattet mit allem an Plakaten und Info – Material was die Aktion Mensch zu bieten hatte, und vielleicht traf die Stimmung und Atmosphäre der Veranstaltung am besten der aufgeschnappte begeisterte Ausruf einiger junger Leute: „Schade, dass so viele Kolleginnen und Kollegen diesen Abend nicht miterlebt haben.“

 

Christian Nieraese

 

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