Stiftung für Soziale Psychiatrie

 

Stiftungspreis der Stiftung für Soziale Psychiatrie 2012

Preisverleihung in den Ruhr Nachrichten
*Artikel vom 21.05.2012 in den Ruhr-Nachrichten

Stadt der Gewinner – Dortmund im Mai 2012 Verleihung des Stiftungspreises der Stiftung für Soziale Psychiatrie

Die deutsche Fußballmeisterschaft ist entschieden – Dortmund hat es geschafft. Borussia Dortmund ist Deutscher Fußballmeister 2012! Eine Stadt befindet sich im Taumel, die Euphorie scheint grenzenlos. Fußball ist für die Menschen insbesondere im Ruhrgebiet von hoher Bedeutung, verschafft ihnen Identität und bestimmt bisweilen das soziale Leben in der Stadt.

Aber Fußball ist nicht alles!

Ein weiteres Ereignis galt es in Dortmund zu feiern: Der Preis der Stiftung für Soziale Psychiatrie ging in diesem Jahr gleich an zwei Projekte aus Dortmund. Die Preisträger sind das Projekt "Praxisnahe Orientierungsphase an den Wochenenden für Menschen in seelischen Krisen" des Vereins Konstantes Lernen und Wachsen e.V. (KLuW) und an das Projekt "Christ ist … ein Künstler" der Wohneinrichtung "Haus am Lohbach", eine Einrichtung der Stiftung Bethel vor Ort. Die maßgeblichen fachlichen Kriterien zur Bewertung der eingereichten Projektkonzepte – insgesamt hatten sich 8 Projekte beworben- sind: Sozialraumorientierung im psychiatrischen Handeln, Gelebter Trialog, Sozialpsychiatrisches Handeln an den Schnittstellen im Sozialraum. Der Verein KLuW erfüllt mit seinem Angebot diese Kriterien vorbildhaft, da mit seinem Projektangebot Räume für eigen-sinnige Menschen geschaffen wurden, für die Unterstützung geleistet wird, ohne sie verändern zu wollen. Das Kunstprojekt des "Haus am Lohbach" steht dem in der Erfüllung der Kriterien nicht nach. Es ermöglicht über künstlerische Aktivitäten und unter Nutzung des Netzwerkes der Kirchengemeinde, Begegnungen zwischen Menschen mit und ohne Behinderungen und schafft durch künstlerisches Gestalten von Skulpturen dauerhafte Symbole gemeinsamen Handelns.

Wie üblich sollte die Preisverleihung am 5. Mai - dem Europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen – stattfinden. Aber zu diesem Zeitpunkt regierte in Dortmund "König Fußball", so dass die Preisverleihung am 19. Mai im Rathaus der Stadt durchgeführt wurde. Die Geschäftsführung der Stiftung hatte ein kurzweiliges Programm zur Preisverleihung organisiert. Nach der Eröffnung und Begrüßung der ca. 90 (es waren genau 96) Gäste durch den Vorsitzenden der Stiftung, Friedrich Walburg, sprach der oberste Repräsentant der Stadt, Herr Oberbürgermeister Ullrich Sierau, Grußworte an die Anwesenden. Er betonte die Bedeutung der Preisverleihung an die zwei Projekte aus "seiner Stadt", die die Arbeit der Akteure in den Projekten anerkenne, bewertete die Auswahl der Projekte aber auch als Anerkennung für das Gemeinwesen. Er bekannte sich zu dem Auftrag, die Inklusion im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention in der Stadt weiter voranzubringen und sieht die Preisverleihung als weiteren Ansporn, die Bemühungen zur Schaffung einer inklusiven Gesellschaft unvermindert fortzuführen. Die Laudatio auf die Preisträger hielt Prof. Dr. Hans-Jörg Assion, Ärztlicher Direktor der LWL-Kliniken Dortmund. Er nahm die Anwesenden mit auf eine virtuelle Busfahrt zu den Standorten der Projekte, beschrieb das Umfeld und die Gebäude in denen die Projekte beheimatet sind. Dies geschah so bildhaft und plastisch, dass auch ortsfremde Personen sich ein realistisches Bild des Sozialraums rund um die Projekte machen konnten. Es gelang ihm auch ein Bild der Aktivitäten des alltäglichen Miteinanders zu zeichnen. Das Leben im KLuW nahm Gestalt an, ebenso die gemeinsam geschaffene Skulptur des Kunstprojektes mit dem Titel "Auferstehung" auf dem Friedhof Dortmund-Berghofen.

Im Anschluss daran wurden die Urkunden unter viel Applaus der Anwesenden stellvertretend an Frau Heidi Waldstädt (KluW) und Frau Sigrid Meyer (Haus am Lohbach) durch Friedrich Walburg und Christian Nieraese – ehrenamtlicher Geschäftsführer der Stiftung - überreicht. Die beiden Projektvertreterinnen betonten die Bedeutung, die die Preisverleihung für ihre Arbeit und die beteiligten Menschen hat, und es ist spürbar wie stolz sie sind.

Nach einer musikalischen Pause, die der aus Argentinien stammende Meistergitarrist José Fernández Bardesio darbot, folgte Sibylle Prins mit ihrem Beitrag "Tagtraumzeit – Nachdenkzeit – Lächelzeit". Sibylle Prins gelang es in ihrer ganz eigenen Weise die Facetten der psychiatrischen Welt teils humorisch teils nachdenklich dem interessierten Publikum zu vermitteln. Abschließend nutzten die preisgekrönten Projekte die Gelegenheit, Einblicke in ihre Arbeit zu geben. "Ga-ga oder so? Entstigmatisierung von Psychosen" lautete der Titel des kleinen Theaterstücks, das die Menschen des Vereins KLuW darboten. Der Psychiatrie, mit ihren Diagnosen und den mehr oder weniger erfolgreichen Hilfebemühungen wurde augenzwinkernd der Spiegel aus der Perspektive der Selbsthilfeaktivisten vorgehalten. Die Veranstaltung schloss mit dem Auftritt der Trommel- und Gesangsgruppe des "Haus am Lohbach". Die Besucher und Besucherinnen der Veranstaltungen wurden durch die Rhythmen der Trommeln und sonstigen Musikinstrumente animiert mitzuklatschen und mitzuschwingen, was allen Beteiligten die Bedeutung gemeinsamer Aktivität vermittelte. Pünktlich um 13:15 Uhr verabschiedete Friedrich Walburg die Gäste der Veranstaltung und im Saal "Westfalia" des Rathauses war wieder das Gefühl zum Greifen nah: Dortmund - die Stadt der Gewinner!

Informationen zu den Projekten: http://www.kluw-ev.de/
http://www.bethel-vorort.de/haus-am-lohbach-40dortmund41.html
Übersicht zu den eingereichten Projekten: http://www.stiftung-sozialpsychiatrie.de/index.html

Bericht: Richard Suhre

so sah der Aufruf zur Bewerbung aus:

Seelische Gesundheit stiften

Förderpreis der Stiftung für Soziale Psychiatrie für Projekte guter Praxis in der Sozialpsychiatrie

Schirmherr der Stiftung: Dr. Henning Scherf, Bürgermeister a.D., Bremen

Die Stiftung für Soziale Psychiatrie verleiht 2012 zum dritten Mal einen Preis für Projekte guter Praxis in der Gemeindepsychiatrie. Sie sollten in ihrer Arbeit einen oder mehrere der folgenden inhaltlichen Schwerpunkte berücksichtigen:

  • * Sozialraumorientierung im psychiatrischen Handeln (keine Beschränkung auf eine Spezialisten-Zielgruppe mehr);
  • * gelebter Trialog (Psychiatrie-Erfahrene, Angehörige, professionelle Mitarbeiter und Bürgerhelfer handeln gemeinsam);
  • * sozialpsychiatrisches Handeln an Sozialraum -. Schnittstellen ( zu Bereichen wie Jugendhilfe, Wohnungslosenhilfe, im besten Sinne inklusions- orientiert).

Der Stiftungspreis ist mit 500 Euro dotiert. Er versteht sich als eine Anerkennung der in den Projekten aktiven Menschen. Alle eingereichten Projektideen werden auf der Homepage der Stiftung veröffentlicht. Sie dienen als Anregung, die vielfältigen Ideen der eingereichten Projekte für die eigene Praxis nutzbar zu machen. Die Preisverleihung für das prämierte Projekt findet im Rahmen einer trialogischen Veranstaltung anlässlich des Europäischen Protesttages zur Gleichstellung behinderter Menschen am 5. Mai 2012 statt, möglichst in der Region, in der das ausgezeichnete Projekt angesiedelt ist. Frist für die Einreichung von Vorschlägen ist der 12.Februar 2012. Die Vorschläge werden vom Stiftungsbeirat geprüft, der dann das preiswürdige Projekt bestimmt. Wir bitten um eine aussagekräftige, präzise Projektbeschreibung und sind uns sicher, dass Sie das auf nicht mehr als zwei DIN-A4-Seiten hinbekommen.

Ihre Projektbeschreibung senden Sie bitte möglichst per E-Mail an folgende Adresse: c.nieraese@vodafone.de Weitere Auskünfte erhalten Sie auf der Homepage der Stiftung: www.stiftung-sozialpsychiatrie.de Oder wenden Sie sich an: DGSP, Zeltinger Str. 9, 50969 Köln, Tel.: (0221) 511002, E-Mail: dgsp@netcologne.de

Die letzten Preisträger ...Link

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Zur Stiftungsgründung haben durch ihre Spenden beigetragen: Gudrun Callier, Martin Osinski, Markus Broscheid, Bettina Scholtz, Dr. H.-D. Lehmkuhl, Dr. Klaus-Dieter Dresler (†), Norbert Schäfers, Renate Schernus, Heiner Schmitt, Karin Morisse, Christian Nieraese und Helga Schmidt-Nieraese, Wolfgang Keller, Andreas Wörner, Helmut Röthenmeier, Andreas Habicht, Gudrun Tissler-Berndt, Ilse Braunschweig, Hilde Schädle-Deininger, Petra Groh-Kankarowitsch und die Landesverbände Baden-Württemberg, Brandenburg, Bremen, Hessen, Niedersachsen, Rheinland, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Westfalen. Vielen Dank an alle Spender.

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